Attila Yakamoz
Im Blickpunkt der Presse stand die dritte
Islamkonferenz,
In „Die Zeit“ steht am 13.03.08. geschrieben,
dass die Islamkonferenz folgende Beschlüsse gezogen hat:
-
Islamunterricht soll eingeführt werden. Eine
Zusammenarbeit zwischen dem Staat und den einzelnen Verbänden aufgebaut werden.
Fakt ist, dass die Verbände sich neu strukturieren müssen, um als verlässlicher
Partner fungieren zu können.
-
„Die Vereinbarung, mit der die Deutsche Islam
Konferenz Zwischenbilanz zieht, erwähnt außerdem den Moscheebau als “wichtigen
Schritt zu Integration des Islam in Deutschland”.“
Doch trotz aller Kompromisse bleibt noch viel zu
tun. So schriebt „Die Zeit“: „Man konnte sehen, wie Necla Kelek litt, als Alboga
dieses Bekenntnis ablegte. Sie meldete sich denn auch und stellte heraus, es
habe eben keinen Konsens in der Wertefrage gegeben, und was Herr Alboga eben
gesagt habe, sei ein blosses Lippenbekenntnis. In den Gemeinden und den Familien
sehe es bekanntlich anders aus, da könne von der Gleichheit von Mann und Frau
keine Rede sein. Womit sie allerdings auch Recht hat.“
In der Rheinischen Post vom 17.03.08 erklärt
Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach, dass sich eine Fortsetzung der Gespräche
lohnt. So sagt er: „Wir sind in einem kontinuierlichen Gespräch nicht nur mit
Repräsentanten islamischer Organisationen, sondern auch und gerade mit vielen
liberalen islamischen Persönlichkeiten. Das macht diese Konferenz ebenso wichtig
wie spannend, denn es gibt auch einen heftigen inner-islamischen Dialog.“ Doch
diese Vertreter sprechen nicht für alle Muslime. Sie sprechen gerade mal für 20
Prozent der Muslime in Deutschland. Die Vertreter sind konservativer und tun
sich schwer, das Wertefundament des Landes zu akzeptieren. Nach seiner Meinung
lautet die entscheidende Frage: „Akzeptieren es die Vertreter des organisierten
Islam in Deutschland, dass neben unserem Rechts- und Wertefundament die
islamische Scharia keinen Platz haben kann?“ Die konservativen Muslime tun sich
hierbei schwer, vorbehaltlos dies zu akzeptieren.
Die taz diskutiert am 15.03.08 das Pro und Contra
eines Islamunterrichts. So wird argumentiert, dass ein Islamunterricht die
Chance böte, „die andere, tolerante und friedliebende Seite des Islams zu
lehren, die durchaus mit Demokratie vereinbar ist“. „Über den Hebel
Islamunterricht steigt zudem der sinnvolle Druck auf die muslimischen Verbände,
sich untereinander enger zusammenzuschließen, auf theologische Mindeststandards
zu einigen und auf die Werte und Normen der deutschen Gesellschaft tiefer
einzulassen.“ Als Contra wird behauptet, dass die Säkularisierung in Gefahr
käme, wenn der Versuch unternommen würde, mit dem Islamunterricht die Muslime,
den Islam kontrollieren zu wollen.
Im faz.net vom 14.03.08 kritisiert die Soziologin
Necla Kelek die konservativen Vertreter aus dem „Koordinierungsrat der Muslime“.
Sie behauptet, so auch der Titel des Artikels, „Sie wollen ein anderes
Deutschland“. Diese hätten zur Debatte über die Verfassungs- oder
Werteverhältnisse nichts beigetragen. „Kein Islamgelehrter dieser Seite trat
auf, um sein Verständnis von Islam und Demokratie darzulegen. Es war
ernüchternd, feststellen zu müssen, dass der organisierte Islam in Deutschland
offenbar nicht in der Lage oder willens ist, solche Fragen zu erörtern, sondern
immer nur bekundete, was der Islam alles nicht ist. Es macht den Eindruck, dass
die Verbandsfunktionäre diese Islamkonferenz als einen Ort ansehen, wo sie einen
Vertrag über das ungestörte religiöse Leben der Muslime und ihre staatliche
Anerkennung aushandeln können. Aber wir sind in dieser Konferenz zum Glück nicht
auf einem Bazar, auf dem die Bundesrepublik und ihre Werteordnung zur Debatte
stehen.“ Eine harsche Kritik seitens der Soziologin, die den Konservativen
Unvermögen vorwirft und nicht wissen, worum es wirklich geht. Auf die Antwort
auf diese Kritik dürfen wir gespannt sein.