Executive Director
Schwartz on dialogue with "moderate Islamists,"
Cambridge Review of International Affairs [Cambridge,
UK], June 2008
Von Stephen Schwartz
[Worte des Autors:
Dieser Text bespricht nicht die palästinensische Hamas-Bewegung, den
libanesischen Hizbollah, oder das Ahmadinejad-Regime im Iran - keiner von denen kann als "gemäßigt"
beschrieben werden. Dennoch können die hier entworfen allgemeinen Grundsätze auf
den "Dialog" mit allen Islamischen Gruppen angewandt werden.]
Es gibt viele
"engstirnige" Akteure und es ist ein grober politischer Fehler, sie irgendwie
gleichzusetzen. Wenn “nicht-liberal” nicht mit extremer Konservativer oder
religiöser Traditionalist gleichgesetzt werden kann, sollte es kein Problem
sein, in Dialog mit solch einer Person in Kontakt zu treten. Wenn
"nicht-liberal" sein ein intoleranter Nationalist, ein gereizter Chauvinist oder
Imperialist bedeutet, dann kann man dies Fall für Fall diskutieren. Nach meiner
Ansicht ist es annehmbar, Dialoge mit solchen ethnisch "nicht liberalen"
Parteien wie der Alleanza Nazionale von Gianfranco Fini in Italien, den
katalanischen nationalistischen Parteien oder der kroatischen Demokratischen
Vereinigung (HDZ) zu führen; alle drei haben daran teilgenommen oder anständige
Regierungen gebildet. Die baskischen oder irischen Nationalisten vertreten
verschiedene und schwierigere Beispiele.
Aber es gibt einen
Unterschied und dies existiert seit den 1920er Jahren zwischen "nicht liberalen"
Parteien im Geist und den aktiven Verschwörungen. Den "nicht liberalen" Ideen zu
folgen führt gewohnheitsmäßig dazu, den öffentlichen Frieden zu brechen. Die
Faschisten unter Mussolini und die Nationalsozialisten unter Hitler waren im
Gegensatz zu altmodischen Konservativen oder Nationalisten anders, denn sie
waren bereit, jegliche Gesetze missachtend, diejenigen zu ermorden, von den sie
dachten, sie seien ihre Feinde.
Ich bin nicht gegen den
Dialog mit “nicht-liberal Gemäßigten", die den konsequenten Charakter einer
gesetzbrechenden Massenpartei nie angenommen haben. Das ist das Problem mit der
moslemischen Bruderschaft; sie hat eine Vergangenheit als terroristische
Verschwörung, sie etablierte die Hamas und untererhält einen halbmilitärischen
Flügel. Sie wird nicht aus bürgerlichen
und gesetzestreuen „Neofaschisten" des Fini-Typs zusammengesetzt; eher kann dies
dem Vorgänger Finis, dem italienischen Diktator Mussolini zugeschrieben werden,
der geduldig die demokratischen Einrichtungen eher dazu benutzte,
diese zu untergraben. Wenige politische
Wissenschaftler denken heute über diese Zeit nach, nämlich der Zeit zwischen dem
Marsch Mussolinis auf Rom 1922 und der Verfestigung der Faschistischen
Parteienmacht 1926. Aber in ihrer Geschichte übertrat die Partei Mussolinis das
Gesetz, beging Morde und andere Taten der Gewalt, um ihren Willen anderen
aufzuzwingen.
Hier liegt der Unterschied, denn sich darüber zu
ärgern oder liberale Gesetze ändern zu wollen, ist nicht dasselbe. Meiner
Ansicht nach ist ein „wahrer Dialog" mit "nicht-liberalen" nur mit denen möglich, die keine
Geschichte des Widerstands gegen das Gesetz haben. In der Welt des Islams,
Gruppen wie die saudische Wahhabiten, moslemische Bruderschaften, afghanische
Taliban, pakistanische Deobandis, die Vorboten der Adalet ve Kalkinmi Partisi
(AKP) in der Türkei und anderer "nicht-liberaler" Bewegungen, haben eine blutige
historische Spur. Die meisten von ihnen sind takfiri; d. h. sie sind gegen
Unterschiede innerhalb des Islams. Takfir ist eine flüchtige Form der
Intoleranz.
Ja, es gibt „weiche" Wahhabiten, Deobandis und
AKP-Mitglieder. Das ermöglicht die Definition „des Dialogs". Wenn Dialog einen
Versuch der Partnerschaft bedeutet, glaube ich, dass das mit jedem Wahhabiten
unmöglich ist. Wenn „Dialog" mit ihnen möglich ist, muss es auf eine auf die
Gegensätzlichkeit beruhende Debatte sein, die eine solide Linie gegen sie
gewährleistet, Ziele an ihrem Misserfolg orientiert und ihnen nichts anderes als
die grundlegenden Rechte gewährt, die jeder religiösen Tendenz gewährt werden
sollten, solange sie gewaltlos bleiben. Aber solch ein Dialog kann nicht das
Ziel einer Verbindung zwischen gemäßigten Moslems und „weichen" Wahhabiten sein.
Dies ist ein Fehler, der jetzt durch zahlreiche liberale saudische Reformer
gemacht wird; denn sie denken, dass sie in einen Block mit unzufriedenen
Akteuren gelangen können, also zwischen den Wahhabiten in der Opposition.
Der saudische König Abdullah ist ein
„nicht-liberaler“ Gemäßigter und paradoxerweise bevorzuge ich nicht nur einen
Dialog mit ihm, sondern helfe ihm dabei, einen Wandel zur Normalität in seinem
Land durchzusetzen. Der saudische Wahhabiten-Kult ist die gefährlichste
Bedrohung gegen die Freiheit in der Welt und es ist unmöglich, sie in eine
allgemeine Saudiaraber-Kategorie einzuordnen, die als vertrauenswürdige
Verbündete des Westens besonders nach dem 11. September 2001 definiert werden
kann. Abdullah hat sich jedoch unwillig gezeigt, Zivilfrieden im
Wüsten-Königreich durch Taten zu erreichen und geht nicht energischer gegen den
Terror im Irak und der Al Kaida vor. Kein geistig gesunder Mensch ruft nach
einem äußerlich geleiteten Regime im Saudischen Königreich auf. Einige
bemerkenswerte Shia-Führer, wie Moqtada al-Sadr, haben als „nicht-liberal“
Gemäßigte gehandelt, aber seine Aktionen sind eine Art des Widerstands gegen das
Gesetz von Anfang an. Andere irakische schiitische Führer haben eine radikale
Vergangenheit, aber es gibt keine klare historische Aufzeichnung zu ihrer
Einstellung zur dauerhaften Nichtanerkennung der
Gesetze im Land.
Ein Beispiel aus der jüdischen Geschichte ist
aufschlussreich: die stalinistischen Kommunisten und zionistischen
Revisionisten, die beide in verschiedenen Phasen in ihrer Geschichte, als
"nicht- liberale“ Gemäßigte bezeichnet werden konnten - wurden von der Teilnahme
in der Führung des Warschauer Getto-Aufstandes ausgeschlossen. Sie wurden weder
respektiert noch mit Vertrauen gesegnet, wenn auch ihre Mitglieder und Waffen in
einem Kampf auf Leben und Tod nützlich gewesen wären.
Die Verachtung dem Gesetz gegenüber und die
Hingabe diese als Hauptwaffe gegenüber Politik zu nutzen, ist nicht dasselbe wie
Radikalismus perse oder sogar revolutionäres. Viele Revolutionäre verteidigten
das Gesetz; zum Beispiel die liberalen Partisanen der spanischen Republik oder
die Unterstützer von Figueres in Costa Rica in den Jahren 1948-49.
Die Kunst der Politik besteht darin,
Unterscheidungen zu machen, nicht zu verwirren. Der Ausdruck „nicht-liberal“
Gemäßigte verwirrt meiner Meinung nach politische Unterscheidungen, die die
heutigen Fragen über Leben und Tod für den ganzen Planeten bedeuten.