Die Reise einer Ärztin in das
Herz des Islams
Canadian Press, August 18, 2008
CHARLESTON, S.C. - Die Reise der
Ärztin Dr. Qanta Ahmed in das Herz des Islams begann als eine spontane
Entscheidung, sie wollte Medizin in Saudi-Arabien praktizieren.
Trotz vieler Bedenken, z.B. die
Rolle der Frau in Saudi-Arabien, auch als Ärztin, die als Unsichtbare im Land
behandelt würden, ging die 40-jährige Assistenz-Professorin der Medizinischen
Universität South Carolinas dieses Risiko für zwei Jahre ein.
Fast ein Jahrzehnt nach ihrem Aufenthalt in
Saudi-Arabien sieht sie ihre Biografie „In the Land of Invisible Women“ als ein
Teil eines erforderlichen „Dschihad (Anstrengung, Kampf auf dem Wege Gottes) des
Kugelschreibers". Ihre Hoffnung ist, dass ein von einer Moslemin geschriebenes
Buch, die im Westen aufwuchs, die Kluft zwischen dem Nahen Osten und Westen
überbrücken könnte. „Einer der Hauptfehler der westlichen Länder ist der falsche
Gebrauch des Begriffes Dschihad“, sagte sie in einem Interview. „Der zentrale
Dschihad für uns alle ist es, sich ständig zu verbessern und das Beste aus sich
heraus zu holen und zu versuchen, an sehr reinen Idealen festzuhalten
Sie hofft auch, dass es helfen könnte, das
Missverständnis aufzuklären, dass der Islam Gewalt legitimiere. „Das ist absolut
abscheulich und falsch“, sagte sie. „Der Islam schätzt das Leben über alles. Wir
werden im Koran unterrichtet, dass das Recht des
Menschen zu leben sogar die Rechte des Gottes über die Menschen
überschreitet." Ahmeds Buch „In the Land of Invisible Women“ wird im nächsten
Monat durch „Landmark“ veröffentlicht.
„Das Buch ist wichtig gegen die Stereotypen“,
sagte Sourcebooks Toni Viardo. „Wenn
Amerikaner im Allgemeinen an Moslems denken, fällt als erstes der radikale Islam
ein. Wir denken, dass dieses Buch wirklich wichtig ist, dass es Moslems
sensibilisiert und Brücken zwischen den zwei Kulturen baut."
Ahmed, die pakistanischer
Abstammung ist, ist in Großbritannien geboren und hatte eine medizinische
Ausbildung in den Vereinigten Staaten. In Saudi-Arabien fand sie ein Land mit
enormem Reichtum, aber Frauen blieben größtenteils unsichtbar, sogar sehr gute
weibliche Ärzte sind dem gesellschaftlichen Kodex unterworfen. Es ist ein Land,
wo Frauen öffentlich nichts zu sagen haben, sich verschleiern müssen, wo Frauen
nicht fahren dürfen und die Erlaubnis eines männlichen Verwandten haben müssen,
um verreisen zu dürfen.
In den Jahren 1999 bis 2001 hielt sie sich in
Saudi-Arabien auf. Nach den Terroranschlägen 2001 in New York und Washington
reiste sie ab. Sie schreibt von ihrer Wut über die Freude
ausgebildeter Ärzte, die diese Anschläge
guthießen. Aber sie fand auch eine innere Verbindung zu ihrer Religion, die sie
niemals gekannt hatte. Sie hatte ihr komplettes Leben, nachdem sie Mekka besucht
hatte, nach den Regeln des Islams
ausgerichtet. „Es gibt viel Verwirrung über diese Religion“, sagte sie
„Im modernen Islam“, sagte sie, „hören Sie sehr
wenige gemäßigte Stimmen. Wo sind die Filme? Wo ist die Musik? Wo ist die
Dichtung? Wo sind die Bücher, die manchen dieser heftigen Ideologien
entgegenwirken?"
Vor einem Jahrzehnt musste Ahmed
über ihre Zukunft entscheiden, als ihr Visum zur Praxis-Medizin in den
Vereinigten Staaten ablief. Sie sagte einem Personalvermittler, dass sie
überall, außer nach Saudi-Arabien, gehen würde. Aber dann
kam ein Angebot von einem modernen Krankenhaus aus Saudi-Arabien, das
Patienten aus dem ganzen Land anzieht. Sie nahm es trotz anfänglicher Bedenken
an, denn Saudi-Arabien ist geprägt von strengen religiösen Regeln.
„Was ist schon ein Jahr?", sagte
sie sich. „Ich erinnere mich, als ich den Vertrag rücksichtslos unterzeichnete,
ob ich richtig gehandelt hatte“, schreibt sie. „In einem gedankenlosen Schwenk
fand ich mich Saudi-Arabiens Gesetzen unterworfen, Enthauptung eingeschlossen."
Ahmed sagte, „dass es ein Paradox
wäre, in einem Land mit solchen starren Gesetzen zu leben und trotzdem
inspiriert zu werden“.
Sie machte die Pilgerfahrt nach
Mekka, die jeder gesunde Moslem, der es sich leisten kann, einmal im Leben
machen sollte. Viele benötigen mehrere Monate oder sogar Jahre für ihre
Vorbereitung. Ahmed ging fast zufällig, sie entschied sich eine Woche vorher für
die Pilgerfahrt, als ein Kollege sie überzeugte.
Als sie während ihrer Pilgerfahrt der Kaaba, die
sich im Innenhof der großen Moschee in Mekka befindet, näherte, fühlte sie sich
klein und unbedeutend. Sie war umgeben von tausenden Pilgern. Die folgende
Sache, die Sie bemerkte, war, dass die Herkunft, Hautfarbe und Nationalität
keine Rolle spielte.